Event, Red Carpet und Pressearbeit für Schauspieler/innen

Öffentliche Auftritte und Events stellen viele Schauspielerinnen und Schauspieler vor große Herausforderungen. „Was ziehe ich an? Wie kann ich mich bestmöglich präsentieren und im Gedächtnis bleiben? Sieht mich die Presse so wie ich wirklich bin? Werde ich überhaupt wahrgenommen?“– um nur einige der Bedenken zu nennen. Ich habe mir Tipps geholt von Leuten, die sich bestens damit auskennen u.a. von der Nisha-PR Agentin Celina von der Lacken, der Schauspielerin Anna Julia Antonucci und dem Fotografen Sebastian Gabsch.

Celina
Celina von der Lacken, PR Agentin (Foto: privat)
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Anna Julia Antonucci, Schauspielerin (Foto: Max Sonnenschein)
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Sebastian Gabsch, Fotograf (Foto: Friedrich Bungert

In meinem Fragebogen, den ich vor jeder ersten persönlichen Beratung vom Künstler ausfüllen lasse, lautet eine Frage: „Wie glaubst Du, dass Du wahrgenommen wirst?“ 90% der Antworten darauf lautet: „Ich denke nicht, dass ich überhaupt wahrgenommen werde.“ Aber nur weil ihr das Publikum nicht seht, heißt es nicht, dass es euch nicht sieht. Seid gewiss, dass ihr wahrgenommen werdet, sobald ihr im Fernsehen, auf Bühnen, auf dem roten Teppich oder im Social Web auftretet. Und seid euch auch bewusst, dass ihr Spuren hinterlasst. Ihr baut ein Image auf ob bewusst oder unbewusst. Mit wem ihr unterwegs seid, wie ihr euch stylt, der Umgang mit anderen Menschen, was ihr in Interviews sagt, was ihr postet u.s.w. spielt alles eine Rolle. Hier gibt es keine Wertung, ihr sollt euch lediglich darüber im Klaren sein, dass alles zur Gesamtwahrnehmung beiträgt. Es ist wichtig sich im Vorfeld Gedanken über die Außenwirkung zu machen. Was sind eure Werte, wofür steht ihr, was vertretet ihr und wovon haltet ihr euch fern. Die meisten Dinge kann man korrigieren, aber manche Dinge kann man nicht rückgängig machen. Sei es die unbekleidete Abbildung auf der Titelseite eines Magazins oder die Teilnahme an Showformaten im australischen Dschungel. Das ist völlig wertfrei. Die Entscheidung sollte lediglich klar und eigenverantwortlich getroffen werden.

Eine erste wichtige Lektion, die nicht nur auf Events, sondern generell gilt:
„If you want to be interesting, be interested“.

Es geht also nicht nur darum, sich zu zeigen, sondern auch wahrzunehmen. Ein gesundes Maß an Interesse für die Menschen in der Branche macht die Sache mit dem Networken einfacher. Eine Kommunikation entsteht nicht nur einseitig, sondern durch senden und empfangen.Viele Schauspieler/innen haben regelrecht Angst vor Events und öffentlichen Auftritten. Smalltalk führen, sich selbst präsentieren – HILFE! Kann das nicht jemand anderes tun. Nun ja, einfacher wäre es natürlich schon mit jemandem an der Seite, zum Beispiel einer Presseagentin oder einem Presseagenten. Aber wie genau findet man diese und ab wann macht es Sinn mit ihnen zu arbeiten.

Dafür habe ich mit Celina von der Lancken gesprochen. Sie ist Inhaberin der PR- und Management- Agentur NISHA (www.nisha-pr.de). Um die 40 Klienten betreut sie im PR- und Management-Bereich. Sie arbeitet unter anderem seit ca. 14 Jahren mit Alexandra Maria Lara, die sie als Managerin in allen Bereichen vertritt. Ihre Arbeit als PR Agentin ist sehr vielseitig. Zur allgemeinen Öffentlichkeitsarbeit gehören beispielsweise Akquise und Organisation von Interviews im Printbereich und von TV Auftritten, das Einholen von Infos und Promotion-Material bei Produktionsfirmen, Sendern bzw. Verleihern und die Auswahl von Set-Bildern, Freigaben von Pressematerialien und Making Offs. So weit es geht begleitet sie auch ihre Klienten zu deren Premieren oder TV-Auftritten und Interviews. Die PR-Agentur kümmert sich um Reisen, Disposition, regelt vertragliche Vereinbarungen, gibt Stylingtipps oder verknüpft die Künstler mit entsprechenden Stylisten, Modelabels oder Designern. Celina erarbeitet mit dem Künstler eine Strategie und steuert das Image in der Außenwahrnehmung. Sie gibt Interviews frei und Fotos bei Shootings. Über die Agenturhomepage und die Social Media Kanäle wird der Künstler ebenfalls präsentiert.

Besonders bei jungen Talenten ist eine Ausrichtung zu Beginn der Karriere wichtig. Wenn wenig Presseerfahrung vorhanden ist, müssen die ersten Trainingsschritte überwacht werden. Celina erklärt auch schon mal die Do’s und Don’ts – welcher Eindruck beispielsweise entsteht, wenn man mit verschränkten Armen in einer Talkshow sitzt, bei Fragestellungen in der Gegend herum guckt und nicht auf sein Gegenüber reagiert, oder zu breitbeinig bei Interviews sitzt. Sie gibt Tipps, wie man geschickt unangenehmen oder zu privaten Fragen ausweicht, ohne dabei zu eitel oder schnippisch zu wirken.

Wusstet ihr, dass 55% der Wahrnehmung reine Körpersprache ist. Der Psychologe Albert Mehrabian stellt in seiner Forschung zu nonverbaler Kommunikation die sogenannte 7%-38%-55%-Statistik auf. Nur 7 % sind faktischer Inhalt. 38 % sind die Art und Weise der verbalen Performance, also Stimme, Lautstärke, Mimik etc. und 55% sind Körpersprache, die nonverbale Wahrnehmung. Der Körper spricht also immer die Wahrheit.

Die PR Agentur kooperiert im besten Fall Hand in Hand mit der jeweiligen Schauspielagentur. Sie wird frühzeitig in Produktionen eingebunden, ggf. kennt sie das Drehbuch oder das Thema der Projekte, und kann so gezielt Interviewthemen setzen. Ein PR-Management betreut alle Bereiche, von Presse, TV-Shows über Commercials, Brand Kampagnen und Presse für Film- und Serien-Projekte. Dafür ist der prozentuelle Anteil bei der Provision von PR Verträgen höher als bei einer reinen Schauspielagentur und liegt meist bei ca. 20%. In manchen Fällen finanzieren sich die PR Agenturen auch über die Auftrittsgelder der Künstler, die sogenannte „Appearance Fee“ oder „Attendance Fee“. Hier bekommen die Stars Geld für ihre Teilnahme an Events, Shows oder dass Sie auf Premieren gehen. In den USA und in England ist es üblich, dass große Schauspielagenturen mit festen PR Agenturen zusammenarbeiten. So ist die Kommunikation viel effektiver. In Deutschland hat sich das noch nicht durchgesetzt.

Jetzt denkt sich bestimmt jeder Künstler, das ist genau das, was ich suche. Aber ab wann macht es wirklich Sinn mit einer PR Agentur zusammen zu arbeiten? Die Antwort lautet: dann, wenn man auch etwas zu promoten hat. Einen Film, eine Serie, ein Buchprojekt, eine Show. Klar, man kann auch Homestories o.ä. machen, aber dafür muss man schon eine gewisse Prominenz mitbringen, dass sich Magazine dafür interessieren. Und man sollte genau überlegen, wie viel man von seinem Privatleben wirklich preis geben will.

Um eine gute PR Strategie aufzubauen, ist eine 6-monatige Vorarbeit optimal.

Bei 3-monatiger Vorlaufzeit wird es mit TV Auftritten schon eng. Bei einem Monat Vorlauf erreicht man höchstens noch die Tagespresse und Online Medien, und ganz knapp vielleicht noch ein paar Yellows (=Klatschpresse). Hier sollte sich jede/r Schauspieler/in Gedanken machen, in wie fern sich diese Investition lohnt. Je spannender das Projekt, desto besser ist eine Platzierung möglich. Bei einem großen und prominenten Ensemble ist eine einzelne Positionierung schwieriger. Im Vergleich zu einer Schauspielagentur, die sich durch die Provision der Jobs finanziert, muss die Schauspielerin oder der Schauspieler für die Pressearbeit extra bezahlen. Das kann pro Stunde, monatlich oder projektbezogen abgerechnet werden. Am gängigsten ist eine Monatspauschale, die zwischen 300 EUR – 500 EUR liegt, in besonderen Fällen auch bis 1.000 EUR pro Monat gehen kann. Bei einer stündlichen Abrechnung liegt der Stundensatz zwischen 50 EUR und 70 EUR. Projektbezogen ist das sehr individuell.

Celina: „Eine junge Schauspielerin oder ein junger Schauspieler muss durch die schauspielerische Qualität überzeugen und mich schon über das Showreel flashen – ich möchte mit den Leuten arbeiten von denen ich überzeugt bin“, sagt sie, bei der Frage der Aufnahmekriterien.

Endlich ist es dann soweit, das Projekt ist fertig und alle Vorbereitungen zur Veröffentlichung und Bekanntmachung werden getroffen. Der Premierentermin steht fest. Worauf man jetzt achten sollte, erzählt Schauspielerin, Anna Julia Antonucci (Instagram: annajuliaantonucci) Sie hat im Sommer 2019 die neue RTL Serie „Schwester Schwester“ gedreht. Ab 2.1.2020 wird die Serie wöchentlich um 21.45h ausgestrahlt. Pressetermine, Shootings und Interviews wurden schon organisiert. Auch sie bestätigt: „Es macht nur Sinn, eine PR Agentur zu engagieren, wenn man etwas zu promoten hat.“ Mit Ben von Martensgarten arbeitet sie seit Beginn des Jahres 2019. Über ihn bekommt sie auch Einladungen zu Premieren und Events. Er berät sie in strategischen Fragen und achtet auf ihr Image in der Öffentlichkeit. Die Interviews ließt er gegen macht ggf. Änderungsvorschläge aber beantworten muss der Künstler seine Fragen schon selbst.

EFür ausgewählte Anlässe holt sich Anna auch Hilfe von einer Stylistin, sie arbeitet mit Nina Jensen zusammen (Instagram: ninajensenstyling). Allerdings ist das auch eine Kostenfrage. Bei manchen Events, wie Filmpreis oder Bambi, wird für Laudator/innen und Preisträger/innen solch ein Service gestellt. In anderen Fällen müssen Schauspieler/innen die Kosten dafür selbst tragen. Anna hat sich über die Jahre ein gutes Netzwerk aufgebaut. Selbst Kontakte zu Designern und Agenturen gesammelt. Doch durch eine PR-Agentur unterstützt zu werden ist schon eine große Hilfe. Man kann Brands auch gezielt anschreiben. Die Sozialen Medien erleichtern es heutzutage den Kontakt herzustellen.

Ein weiterer Punkt, ist make up. „Ich mache mein Make up fast immer selbst,“ so Anna. So wie viele Schauspielerinnen. Auch hier kann man sich natürlich professionelle Hilfe holen, wenn auch nicht ganz billig: Eine Maskenbildnerin kostet zwischen 150 – 250 EUR. Ein kleiner Tipp: Bei einigen Kosmetik-Marken, wie MAC im KaDeWe, kann man sich schminken lassen. Entweder gegen Kauf eines Produktes oder man zahlt zwischen 50-70 EUR für ein Abend Make Up, allerdings ohne Haarstyling. Auf jeden Fall solltet ihr vorab einen Termin vereinbaren.

Die nächste „Hürde“ ist der Rote Teppich.

Anna Julia rät, sich bloß nicht einschüchtern zu lassen von den vielen Blitzlichtern, Journalisten und Fotografen. „Das kann anfangs schon mal furchteinflößend sein. Durchatmen und selbstbewusst darüber laufen und sich nicht hetzen lassen ist meine Empfehlung. Ich hab mal in nem Interview von Will Smith gehört, dass er bevor er aus der Limousine steigt laute Musik hört. Das finde ich ne super Idee! „Schade, dass die Presse häufig Rolle und Privatperson in eine Schublade steckt, findet Anna. Wenn man öfter das ähnliche Rollenfach, wie z.B. die femme fatale angeboten bekommt, verwechseln die Leute schnell Person mit Rolle.

Anna achtet darauf wenig Privates nach Außen zu tragen auch wenn es nicht immer ganz einfach ist. Denn leider ist für die YellowPresse ein privater Aufhänger ein Muss um über ein Filmprojekt zu sprechen. Wie heißt es doch so schön, wenn man die Presse zur Hochzeit einlädt wird sie bei der Scheidung auch dabei sein.

Wann geht man über den Teppich und wann nicht? Ich (Bo) rate dazu, jede Gelegenheit zu nutzen, auch wenn man nicht bei dem präsentierten Projekt involviert war. Jede mutige Aktion stärkt das Selbstvertrauen und bietet Übung. Bei großen Produktionen wird der Red Carpet inzwischen sehr streng koordiniert und überwacht. Tretet selbstverständlich und selbstbewusst auf. Das ist auch überzeugend für die Koordinatoren am Teppich. Ein glamouröses und auffälliges Outfit ist hilfreich. Damit ist nicht gemeint, dass es notwendig ist viel Haut zu zeigen. Entscheidet ihr euch bewusst dazu über den Teppich zu gehen, solltet ihr auch nicht einfach nur schnell drüber huschen. Wartet nicht, dass ihr aufgefordert werdet. Wenn ihr nicht prominent seid, zum Cast oder zur Crew gehört, wird keiner darauf achten. Also verantwortet es selbst. Nutze den Teppich wie eine Bühne, nehmt euch den Raum, zeigt euch. Und macht euch keine Gedanken, was wohl die Anderen denken. Wenn ihr unerfahren seid, versucht mit Leuten über den Teppich zu gehen, die sich sicher fühlen. Achtet auch auf die Fotografen.

Foto: Sebastian Gabsch

Einer, der oft am Roten Teppich fotografiert, ist Fotograf Sebastian Gabsch (Instagram: sebastian_gabsch_fotografie / www.sega-foto.de): Er gibt wertvolle Tipps für ein sicheres Auftreten. Versucht von Links nach Rechts (oder je nach Auftritt anders herum) allen Fotografen einzeln in die Kameras zu schauen. Achtet darauf, dass Ihr 2-3 Meter Abstand zum Vorgänger habt und nicht zu nah an der Rückwand steht. Bei einem langen Teppich von ca. 8 – 10 Metern wäre es angebracht, 2-3 Mal stehen zu bleiben, um für alle Fotografen mittig und gut sichtbar zu sein. Bringt Leichtigkeit und Humor mit. Für den Moment nicht kauen und nicht sprechen. Leicht eingedrehte Pose, Beine nicht über Kreuz. Overshoulder-Fotos sind mit Minirock nicht empfehlenswert. Achtung, auch hier im Vorfeld auf eure Kleiderwahl achten. Durch das Blitzlicht kommen manchmal Dinge zum Vorschein, die nicht beabsichtigt sind. Bei weniger bekannten Gesichtern fragen die Fotografen nach den Namen. Ein Kärtchen mit Foto, Namen und Kontakt kann also hilfreich sein. Evtl. kann eure Begleitung euch unterstützen. Der Hausfotograf ist meistens auf dem Roten Teppich, die Journalisten und Presse-Fotografen gegenüber der Fotowand. Mit der Anwesenheit bei Events und Premieren gibt man gleichzeitig die Bildrechte frei, egal, ob man prominent ist oder nicht. Euch sollte also klar sein, dass entstandene Bilder auch in anderen Zusammenhängen veröffentlicht werden können. Achtet daher darauf, mit wem und in welchem Zusammenhang ihr fotografiert werdet. Durch den Verkauf der Bilder an Verlage oder Magazine verdienen die Pressefotografen ihr Geld oder direkt über den Veranstalter, wenn sie vom Veranstalter engagiert wurden.

Anna rät: „Einfach versuchen Spaß zu haben, es gehört nun mal zum Beruf des Schauspielers dazu. Presse ist auch eine Art Publikum!“

Bo Rosenmüller
für GET THAT ROLE