Warum die Sozialen Medien für Künstler relevant sind!

Wie die digitale Medien plötzlich alles veränderten. Schauspieler/in vs Creator.

Erst kürzlich habe ich den Ca:stmag Report aus dem Jahre 2016 wieder entdeckt „Facebook & Co – Warum die Sozialen Medien wichtig sind“. Eigentlich erstaunlich, dass die Social Media Welle uns erst vor drei Jahren so richtig überrollt hat. Gefühlt war Social Media schon immer da.

Aufgebaut hat sich der Tsunami natürlich schon viel früher, aber bis dato hatten sich die beiden Matritzen in meiner Wahrnehmung kaum berührt.  Ich erinnere mich, dass ich 2015 das erste Mal die Bedeutung des Wortes „Influencer“ erklärt bekam (heute bezeichnen sich die Influencer als Creator). Und zwar, nachdem ich das Angebot, den Kinofilm „Bruder vor Luder“ mit den Lochis zu besetzen, abgelehnt hatte. Ich fand den Hype und die Geheimnistuerei um dieses Projekt lächerlich und konnte das alles nicht nachvollziehen. Wer waren diese beiden Jungs Heiko Lochmann und Roman Lochmann und wieso machte die Filmproduktionsfirma einen Kinofilm mit den beiden in den Hauptrolle? Gleichzeitig machte mich dieser neue Fame und die digitale Parallelwelt neugierig. Mir war schon aufgefallen, dass bei Filmpremieren mein damals 12jähriger Sohn Selfies mit Leute wollte, die ich vorher nie gesehen hatte. Die „analogen“ Stars interessierten ihn gar nicht. Auch die Schauspielwelt bemerkte das natürlich. Plötzlich standen die Yellow-Press-Fotografen auf der anderen Seite des roten Teppichs und widmeten ihre Aufmerksamkeit den „bunten Vögeln“, nach denen das Jungvolk schrie. Fragende Blicke und Unsicherheit unter den Schauspieler/innen – „wer sind die denn?“. Bei der Premier von „Die Schlümpfe 3“ war die meist gestellte Frage: „wer ist eigentlich diese Bibi nach der die Kids alle schreien?“. Die Rufe waren lauter als bei Hollywoodstars wie Brad Pitt, Will Smith oder Tom Cruise.

Da wurde mir klar, dass die digitalen Medien für Schauspieler/innen noch eine große Rolle spielen werden.

Irgendetwas hatte ich wohl verpasst, das wollte ich nachholen und mich näher damit beschäftigen. So ergab sich für mich ein Angebot, eine Influencer-Agentur aufzubauen. Ich kehrte dem Casting ersteinmal den Rücken und begab mich in diese bunte, „likesüchtige“, markengetriebene Welt, zumindest für knapp zwei Jahre. Dann bekam ich Heimweh nach der Kunst, den Kreativen, den Künstlern, Schauspielerinnen, Schauspielern und Filmschaffenden. Waren doch Reichweiten, KPI’s, Engagementtates, Monitoring, Targeting nicht so ganz meine Welt. Ich habe sehr viel neues Wissen in der Zeit über Marketing und Brandbuilding angesammelt. Aber auch über PR, Eventmanaging und Kampagnen-Strategien. Ich habe erstmals verstanden, wie das ganze System überhaupt funktioniert. Wie man ein Brand kreiert und ein Image aufbaut und wie komplex und langwierig dieser Prozess  des Markenaufbaus doch ist. Und wie viel Beharrlichkeit man braucht, ein Produkt unters Volk zu bringen.

Der Content der Schauspielerinnen und Schauspieler sollte sich von dem der Creator unterscheiden.

Langsam schlich ich mich also wieder zurück in die Gegend, die mich mehr inspirierte. Mit neuem Wissen und einem klaren Blick, was auf beiden Seiten Mangelware ist. Den Schauspielerinnen und Schauspieler fehlte das digitale know-how und der Mut sich der Öffentlichkeit fast schamlos zu präsentieren. Den Influencern dagegen fehlt es an wirklichem Entertainment, an einer klaren Selbstwahrnehmung und auch der Fähigkeit mit Kritik umzugehen. Im Social Media Bereich ließ sich mit dünnen Geschichten so viel Geld verdienen. Ich sah so viel Potential, was bei den Schauspielern/innen brach lag. Ich fand, es war an der Zeit, die beiden Welten ein wenig zu durchmischen und eine Brücke zu schlagen. Plötzlich ergaben sich neue Möglichkeiten der Sichtbarkeit. Egal ob man einen Abschluss einer klassischen Schauspielschule hatte, als Statist oder Comedian arbeitete.

Jede Schauspielerin und jeder Schauspieler ist seine eigene Marke.

Und als solche kann jede Schauspielerin und jeder Schauspieler seine eigene Marketingstrategie aufbauen und zwar nicht nur im digitalen Bereich. Bevor man sich darüber Gedanken macht, was man beispielsweise postet, sollte man sich seiner Werte und seiner Ziele bewusst sein. Sobald man in einer durchgehenden Serienrolle o.ä. regelmäßig im TV oder auf anderen Plattformen auftaucht, wächst der Kanal wie von selbst, anderenfalls muss man sehr viel Arbeit in den Aufbau von Reichweite stecken. Ich sehe wirklich sehr große Vorteile in den Sozialen Medien, da es wenig Vorschriften und Reglementierungen von außen gibt. Jeder Künstler ist sein eigener Chefredakteur. Ich möchte dennoch betonen, dass es nur Sinn macht, Zeit, Energie und Geld in seine Social Media Kanäle zu investieren, wenn man einen Zugang dazu findet und statt Last Lust empfindet.

Wer interessiert ist, den vollständigen Ca:stmag Report aus 2016 zu lesen, findet ihn hier.

 

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